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Der Standard Wien Modern

Wummernde Klangwolken

"Wien Modern" im Schömer-Haus

Klosterneuburg - Der Klang kommt in Wellen, bewegt sich über dem Publikum, bleibt stehen. Serge Verstockt, Gründer der Formation "Champ d'action", hat für sein Stück Voder schwirrende Lautsprecher an die Decke gehängt, die von Propellern angetrieben werden und so ein wenig an Stockhausens Helikopter-Streichquartett erinnern. Dazu in Wahrnehmungs-Konkurrenz tritt das meist brachial loslegende Ensemble, das, symmetrisch im Raum verteilt, wummernde Klangwolken von sich gibt, die mit artistischen Elementen beginnen (Trommelwirbel!) und etwas vordergründig bleiben. So macht sich die für das Schömer-Haus entwickelte Uraufführung hier zwar ganz schön, ist allerdings letztlich mehr ein aufwändiger, gelungener Gag.


Durch Bewegung fit, vital und schlank werden

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Die zweite Novität führte da schon in andere Gefilde, als Peter Swinnen mit Hodechtri durch elektronische Transformation von Instrumentalklängen Zustände großer Verschmelzung dieser Ebenen herbeiführte. Mikrotonal verfärbte Konsonanzen ergaben dabei eine behutsam tastende Klangfarben-Dramaturgie und melodische Gebilde, die sich einander annäherten, sich beinahe fanden und erneut entfernten: Mit fast minimalistischen Mitteln gelang so große Differenzierung. Mehr zum scharfen Kontrast hin gestaltet Jonathan Harvey in Soleil noir /Chitra gegensätzliche Episoden, die einen hell und schnell, die anderen zögerlich und dunkel, die einen Dualismus zwischen Europa und Indien ausdrücken sollen. Die Zuordnung gelingt jedoch weniger wegen der antagonistischen Charakterisierung der Welten, sondern mehr dank der bunten Perkussion, die den Stilpluralismus krönte.

Einem puristischeren Werk des Elektronik-Pioniers Lucien Goethals merkte man sein Alter zwar an. Aber trotz der Verwurzelung in den 50er- und 60er-Jahren beeindruckte Fusion durch gleichberechtigte, an instrumentalen Klängen orientierte Elektronik und die dramaturgische Entwicklung anfangs schroffer Gesten zu ostinaten Rhythmen und kontinuierlicher Motorik: Hier kündigt sich die Postmoderne an. (daen/ DER STANDARD, Printausgabe, 21.11.2006)

 

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